Dresscode: Brötchenholen

Die Frage nach der richtigen Bekleidung, das ist immer eine Frage nach zwei Dingen: der eigenen Stimmung und dem Anlass, den Umgebungsumständen. Der Anlass definiert den Rahmen — eben ob Chinos und Brogues ohne Socken die Erwartungshaltung der anderen angenehm unterlaufen oder vollkommen daneben sind. Von der Stimmung hängt schließlich die Ausführung ab, nicht jeder Tag ist ein Tag für das asymmetrische Sakko.

Selten decken sich diese beiden Fragen so sehr wie Sonntag morgens, nachdem der erste klare Gedanke gefasst ist: Frühstück. Die Stimmung verlangt ein Maximum an Baumwolle und Elasthan, am liebsten direkt eine Bettdecke. Der Anlass ist anspruchslos: einige Schritte durch das Treppenhaus und zum Bäcker an der Ecke. Gerade darum winkt eine Großchance für die Würde. Ein Oxford- oder Jeans-Shirt, jeweils zwei Größen zu groß, wertet jede Pyjamahose auf. Zusammen mit einem gemusterten Schal und Slippern oder Halbschuhen eignet sich das Outfit schon beinahe für ein schnelles Update bei lookbook.nu. Alternativ empfehlen sich mehrere Lagen freundlichen Materials in Off-Farben: Leinenhemd, ein heller Cardigan, Baumwollschal. Presto.

Der würdevolle Weg zum Bröchen lebt idealerweise von der Spannung zwischen der Kleidung, die man morgens am Körper gefunden hat — und einer kleinen Menge Glamour der letzten Nacht.

Malte Müller arbeitet als Digital Director bei fischerAppelt und trägt stylishe Klamotten. In Zukunft wird er hier, wie Zeit und Motivation es erlauben, Beiträge beisteuern und das Blog bereichern.