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Hosen für Männer: Schnitt, Passform, Farben & Muster

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Eine Art Hose trugen schon die kampfbereiten Germanen auf dem Schlachtfeld und wurden für ihre barbarische Tracht von vielen Dynastien verhöhnt. Der Platzmangel unter der Ritterrüstung kurbelte den Erfolg der Beintracht deutlich an. Schon bald kehrte sich die Sache um: Herrenhosen waren nun absolut en vogue – je schriller, extravaganter und pompöser, umso besser.

Mit den modischen Eskapaden war es jedoch bald vorbei. Das zunehmend relevante Bürgertum besann sich auf einen zurückhaltenden Stil, der mit wenigen Neuerungen bis heute verpflichtend ist.

Obwohl der aktuelle Dresscode im Vergleich zur adlig-prachtvollen Kniehose puristisch scheint, hat sich das Regelwerk für einen gelungenen Auftritt erweitert.

Passende Hosen für Herren:
Was nicht passt, wird niemals passend gemacht

Die Konfektionsgröße liefert bereits gute Hinweise darauf, welche Hose passen könnte. Für das Pendant zur Anzugjacke sind meist die klassischen Herrengrößen relevant. Freizeithosen orientieren sich je nach Hersteller an den amerikanischen Inch-Größen. Ob das gewählte Exemplar perfekt sitzt, ist auch mit der richtigen Herrengröße im Kopf nicht garantiert. Deshalb sollten gleich nach dem Anprobieren die Details beäugt werden. Das gilt für die Business-Mode ebenso wie für das legere Outfit in der Freizeit:

  • Hosenbund
  • Gesäß
  • Seitliche und innere Naht
  • Schritt / Kreuznaht
  • Hosentaschen
  • Hosenbeine
  • Saum

Erfahren Sie mehr über die Hosengrössen:


Perfekter Übergang:
von den Oberen Gefilden zum Beinkleid

Trotz standardisierter Konfektionsgrößen variieren die Schnitte der Hersteller und Trends. Insbesondere figurnahe Anzughosen aus den jungen Business-Kollektionen setzen den Bund recht tief an. So wird die hervorragende Fitness der aufsteigenden Generation betont. Dies setzt voraus, dass die persönlichen Tatsachen mit den Idealvorstellungen übereinstimmen.

Dem entgegen bevorzugen andere Designlinien einen recht hohen Schnitt. Wer ohnehin einen kurzen Oberkörper hat, ist mit diesen Modellen schlecht beraten.

Am besten endet die Anzughose dort, wo es sich bewährt hat: nahe am Bauchnabel. Beim Anprobieren sollte sich die Kleidung mühelos verschließen lassen und ohne Hilfsmittel am angedachten Ort verharren.

Als Reserve ist eine Daumenbreite einzuplanen, damit ein üppiges Dinner Platz hat. Selbst wenn sich alles passend anfühlt, können sich Falten bilden. Entweder liegt dies an der mangelnden Qualität beim Schnitt oder an Diskrepanzen zwischen dem Design und der individuellen Figur.

Gute Figur von der Rückansicht

Eine Jeans darf die positiven Facetten vom Po gerne akzentuieren. Die Anzughose umspielt diese Region charmant. Keineswegs sollte die leichte Erhebung im textilen Meer untergehen. Allerdings ist der Berufsalltag nicht der Ort, um seine verführerischen Seiten zu unterstreichen.

Falls der Schnitt zu weit nach oben reicht, zeichnet sich die mittlere Falte der beiden Backen ab. Dies ist selbstverständlich ein absolutes No Go für alle Terrains zwischen Imbissbude und internationalem Kongress der Elite.

Der Sitztest

Wenn die Hosentaschen schon beim Stehen spannen oder aufklaffen, erübrigen sich weitere Analysen. Allerdings sollten sich die praktischen Details auch beim Sitzen nicht zu weit öffnen, unangenehm einschneiden oder das Innenfutter nach außen kehren Bei der Gelegenheit sollte generell bewertet werden, ob sich die Herrenhose in dieser Position als angenehm erweist. Schließlich überwiegt diese Haltung im Büroalltag.

Alles an seinem Platz?

Viele Männer lassen sich bei der Anprobe zu einem positiven Feedback hinreißen, wenn sich der Knopf am Bund schließen lässt. Diese Bewertung kommt eindeutig zu früh. Im Spiegel erfolgt zunächst ein kritischer Blick von vorne.


Ähnelt der Schritt der Volkstracht Anatoliens, wirkt das Modell etwas zu bequem. Ist der Abstand vom Bund zum Schritt etwas zu knapp bemessen, kann es nicht nur ungemütlich werden. Gewisse Symbole der Männlichkeit landen damit auf den Präsentierteller.Gerade im Duell mit femininen Geschützen bei Business-Gefechten kann dieses Stilelement peinlich sein.

Nun fällt der Blick auf die innere Naht des Hosenbeins, die sich ungehindert nach unten fortsetzen sollte. Gleiches gilt für die seitlichen Nähte. Gerne werfen leicht unpassende Modelle Falten auf der Beinlänge oder kräuseln sich zwischen Bund und Oberschenkel.


Komfortable Passformen oder figurnahe Trends

Schmale Business-Anzüge sind auf den europäischen Laufstegen aktuell angesagt. Dabei wird die Figur des Mannes hervorgehoben, ohne dass es zu offensiv wirkt. Dieser Trend ist mit Vorsicht zu genießen.

Zunächst muss der Gentleman selbstkritisch bewerten, ob sich die Mode mit den persönlichen Maßen vereinbaren lässt. Sogar eine durchtrainierte Figur kann Engpässe bei den Oberschenkeln oder Kniffe an den Waden verursachen. Zudem geraten etwaige Rettungsringe durch die enge Linienführung mehr in den Fokus.

Beim Kontakt mit internationalen Geschäftspartnern ist zu beachten, dass die Hervorhebung der figürlichen Reize auch bei Männern nicht gerne gesehen wird. In manchen arabischen Ländern gleicht dies einem Tabubruch. Einigen amerikanischen Unternehmen werden eine mangelnde Klassik kritisieren.

Bundfalten sind generell eine Geschmackssache. Ob sie zur Garderobe des Managements passen, bleibt ungewiss. Bei diesem Punkt streiten sich die Geister. Das optische Detail kann eine Chance für untersetzte Herren sein, die etwas mehr Spielraum benötigen. Bügelfalten sind eine Ehrensache und verlaufen exakt in der geometrischen Mitte.

Der fulminante Abschluss

Ob der Saum aufgeschlagen oder nach innen vernäht wird, hängt vom Stil des Anzugs ab. Falls diese Entscheidung beim Kauf noch offen ist, sollte das Fachpersonal einen Tipp abgeben. Der Mann von Welt ist bei der Anprobe schon in die Business-Schuhe geschlüpft.

Nur so lässt sich das Finish am unteren Ende beurteilen. Der Saum darf gerne die Schuhe berühren und sollte den Absatz mindestens zur Hälfte bedecken. Natürlich darf die Hose nicht hinterrücks über den Boden schleifen.

Mindestens genauso unvorteilhaft wirkt sich aber ein Hochwasser-Stil auf den Gesamteindruck aus. Wenn die Hose gekürzt wird, sollte in jedem Fall das Design beibehalten werden: Wenn die Anzugjacke die Figur betont oder komfortabel geschnitten ist, muss sich dies im Beinkleid widerspiegeln.

Farben & Muster: Welche Hose passt zu mir?

Ebenso relevant wie die Passform ist der textile Stil. Feine Wolle und Baumwolle sind die bevorzugten Texturen in der Business-Welt. Die Farbskala bleibt mit Schwarz, Grautönen und Blau übersichtlich.

Sehr dezente Designs wie Nadelstreifen, die das Antlitz lediglich auflockern, sind erlaubt. Alle anderen Facetten des Regenbogens und wilde Musterungen landen in der Sektion Freizeitmode oder sind bei legeren Business-Treffen gefragt. Dabei sollte sich jeder Gentleman selbst fragen, ob und wann das Kanariengelb die treffende Wahl ist.

Eine Errungenschaft für die Hosenabteilung der Herren sind Chinos. Dieser adrette Schnitt in Kombination mit etwas lässigeren Texturen schafft den Spagat zwischen legeren Dresscodes im Büro und rustikalen Runden am Stammtisch. Hierbei entscheidet das Kombinationstalent über die finale Wirkung.

Gemeinsam mit eleganten Sakkos und weißem Hemd macht die Chino der Anzughose Konkurrenz.

Im Duett mit dem Statement-Shirt ist „Mann“ bereit für den abendlichen Lifestyle. Mit Karo und Strick ist das Beinkleid beim familiären Kaffeeklatsch willkommen.

Jeans-Roulette für Glückspilze – Recherche für Rationalisten

Immer wieder widmen sich Journalisten der Frage: Welche Jeans passt zu mir? Die einzig wahre Antwort: Das beste Modell ans Herz zu legen, gleicht der korrekten Vorhersage der Lottozahlen. Gewiss lassen sich gängigen Typen wie die Gerade oder die Boot skizzieren und grob einer männlichen Figur zuordnen.

Von der Perfektion, bei der die Schokoladenseiten hervorgehoben werden, bleiben die Hilfestellung jedoch weit entfernt. Wer tatsächlich seine perfekte Jeans entdecken möchte, muss schuften. Bei Regenwetter geht es in einen bestens sortierten Einkaufstempel, der die Bandbreite von Armani über Brax und Hugo Boss bis hin zur Joop! oder Wrangler in petto hat. Im Dialog mit dem Fachpersonal wird sich herauskristallisieren, welche Marke und welches Modell das Rennen macht.

Zum guten Schluss…

Ein Wort zur kurzen Beintracht: Wenn die Temperaturen nach oben schnellen und sich Reisefieber hinzugesellt, neigt selbst der stilvolle Gentleman zur Modesünde. Aber es ist, wie es ist: Alle Dessins mit Flora, Fauna und wilden Farben sind für den Strand, den Campingplatz oder das Freizeitbad gedacht.

Schon auf der Strandpromenade macht sich die lange Leinenhose oder die kurze Chino in adretten Farben weitaus schicker. Was für die Urlaubsidylle gilt, sollte in der heimischen City umso mehr beherzigt werden.


Bildnachweis: Thinkstock / Digital Vision / Leonard Mc Lane


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