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Das Einmaleins des Sakkos – Schnitte, Material, Farben & Muster

Sakko / Schnitt / Form / Muster / Farben

Die Männlichkeit mit ein paar Blättern bedecken und auf geht’s in die Schlacht: Diese modische Freiheit bleibt leider nur wenigen Volksstämmen vorbehalten. In der westlichen Zivilisation hat sich die textile Oberbekleidung durchgesetzt, bei der es vor Fachbegriffen und Regeln nur so wimmelt.

Trends erfreuen mit Abwechslung, können aber die Verwirrung zusätzlich multiplizieren und viele Fragen z.B. um Sakko aufwerfen.

  • Was ist ein Jackett?
  • Welches Sakko passt zu mir?
  • Wie wähle ich den richtigen Schnitt beim Blazer aus?

Fragen über Fragen zum Sakko. Diese und einige weitere Fragen beantworten wir in unserem ausführlichen Styleguide zum Sakko. Bevor wir die wichtigsten Fragen beantworten gehen wir erst einmal auf etwas Definitorisches ein.


Unterschiede zwischen Sakko, Jackett, Blazer…

Alle drei Begriffe werden gerne wild durcheinander gewürfelt. Deshalb interessiert zunächst eine Abgrenzung der konkurrierenden Herrenoberbekleidung.

  • Herrenrock: Einst waren Jacken für Damen und Röcke für Männer gedacht. Dies erläutert, wie sich Begriffe wandeln. Der Herrenrock galt als einzige Wahl, wenn es um den gehobenen Kleidungsstil von Männern ging. Der lange Schnitt setzte sich aus einer oberen Einheit und einem Schoß zusammen, die an der Taille aufeinandertrafen. So konnte die Figur vorteilhaft betont werden, wodurch sich optisch ein qualitativer Unterschied zum sackartigen Bauernkittel ergab.
  • Gehrock: Dieses ebenso knielange Modell setzte sich als formelle und festliche Kleidung durch. Kennzeichnend war zumeist die doppelreihige Knöpfung. Der Schnitt ist wiederum zweiteilig und kann deutlich tailliert sein.
  • Justaucorps: Diese Oberbekleidung war zur Zeiten der Romantik sehr beliebt und geht heutzutage meist als Kurzmantel durch. Wesentlich ist ein Schnitt, der sich bis zum Knie deutlich weitet und mit zahlreichen Knöpfen versehen ist. Je nach historischem Modetrend wurden diese komplett offen getragen oder bis zur Taille geknöpft. Wenngleich die mutigen Dessins des schillernden Adels heute selten zu sehen sind, orientieren sich Designer immer wieder an diesem Klassiker.
  • Frack: Bei feierlichen Anlässen ist dieses traditionelle Kleidungsstück wieder gefragt. Während der vordere Part kurz und auf Taille geschnitten ist, schließt sich im hinteren Bereich ein langer Schoß an.
  • Jackett: Aus dem lang geschnittenen Gehrock entwickelte sich im 19. Jahrhundert ein modernes Modell, das deutlich kürzer geschnitten, dennoch tailliert war und dem Vorbild in vielen Details ähnelte.
  • Sakko: Aus dem Jackett resultierte ein Design, das zunächst ohne Taillierung geschnitten wurde und von den damaligen Modekritikern als auffallend leger wahrgenommen wurde. Dies verstärkte sich, als sich der Einreiher durchsetzte. Lange Zeit wurde das Sakko als weniger standesgemäß und stilvoll empfunden als das Jackett. Inzwischen vermischen sich die feinen Details der beiden Kleidungsstücke. So scheint es legitim, dass auch Herrenausstatter die Begriffe synonym verwenden.
  • Blazer: Sowohl das Sakko als auch das Jackett blieben den dezenten Stoffen in dunklen Farben treu. Auch die Kombination mit einer passenden Hose als Anzug war weitgehend selbstverständlich. Schließlich wurde der Schnitt mit Knopfleiste und Revers mit verschiedensten Stoffen kombiniert, die auch gemustert sein konnten. Auffällige Details wie goldene Knöpfe oder Club-Abzeichen kamen hinzu. Eben dieser Stil wurde als Blazer resümiert, woran sich einige Designer nach wie vor halten. Originäre Blazer werden inzwischen häufig als Freizeitsakko angeboten. Lediglich der Stein des Anstoßes, eine Jacke im Marineblau mit Knöpfen und Applikation, wird auch heute konsequent als Blazer oder Klubjacke bezeichnet.

Stoffe, Dessins und Farben

Beim Sakko auf Qualität achten: Sakkos aus der Schnäppchenecke sind gerne aus rein synthetischen Materialien gefertigt. Diese Sakkos aus rein synthetischen Materialien sind mit Vorsicht zu genießen: Spätestens nach wenigen Testläufen entlarvt sich die minderwertige Qualität bei der Optik und dem Tragekomfort. Auffallend vereinen sich Staub oder Flecken unwiderruflich mit der Textur und lassen sich auch mit einer chemischen Reinigung nicht mehr entfernen.

Aufgrund des aufwendigen Schnitts, bei dem keine Naht aus der Form geraten darf, können viele Sakkos nicht mit der Waschmaschine gereinigt werden. Wer an ein Freizeitsakko denkt, dass stetig getragen wird, sollte dieses Detail beim Kauf berücksichtigen. Viele lässige Designs aus Baumwolle oder Cord werden inzwischen so gefertigt, dass der Wurf in die Trommel kein Thema ist. Das spart Zeit und Geld.

Bei hochwertigen Kollektionen sind diese Materialien anzutreffen:

  • Baumwolle
  • Cord
  • Kaschmir
  • Leinen
  • Schurwolle
  • Seide
  • Tweed

Während sich einige Stoffe ausschließlich für die Freizeit empfehlen, beispielsweise Leinen, kommt es bei anderen Materialien auf die Textur an. Fein gewebte Qualitäten in dezenten Farben empfehlen sich für das Anzug-Sakko im Business. Rustikal anmutende Oberfläche, auffällige Muster und kräftige Farben begleiten die Freizeitaktivitäten. Sakkos mit glanzvoller Optik ordnen sich ins festliche Metier ein.

Nahezu alle Stilrichtungen beim Stoff und Dessin gibt es in sommerlich leichten und winterlich wärmenden Ausführungen. Diese Funktionalität lässt sich auf den ersten Blick am Sakko erkennen.

Der Mann von Welt ist für jede Saison gerüstet und kreuzt bei der Mailänder Konferenz im August nicht mit der Winterkollektion aus dicker Schurwolle auf.


Sakko – der passende Schnitt

Kennzeichnend für das Sakko ist der Revers, der sich unterschiedlich weit nach unten ausdehnen kann. Auch die Breite des Kragens variiert. Je größer diese Dimension, umso deutlicher darf der Hemdkragen werden und der Krawattenknoten ausfallen.

Neben einer Tasche im Brustbereich und einer Leistentasche für das Einstecktuch ist das klassische Sakko mit zwei aufgesetzten oder eingearbeiteten Außentaschen versehen. Kreative Designer spielen mit diesen Elementen und verzichten bei puristischen Designs völlig auf sichtbare Taschen oder kombinieren den hoch geschlossenen Rundkragen von Trachtenjacken mit avantgardistischen Jacketts.

Grundsätzlich gilt aber: Die Außentaschen beim Sakko sind ein Stilelement und sollten nicht bis zum Anschlag gefüllt werden.

Nach der klassisch englischen Art sorgen zwei rückseitige Schlitze für Bewegungsfreiheit. Als amerikanischer Stil gilt ein einzelner Schlitz in der Mitte. Wie der Blick auf die Trends zeigt, kommen einige Sakkos ohne dieses Detail aus, beispielsweise bei einer Fusion mit der Weite vom Justaucorps. Derartige Extravaganzen müssen nicht jedem Chef im seriösen Businessalltag gefallen.


Die Knopfleiste beim Sakko

Ein kleines Detail sorgt für maßgebliche Unterschiede bei der modischen Wirkung von Sakkos – die Knopfleiste:

  • Trio: Drei Knöpfe am Sakko, von denen die oberen beiden geschlossen werden, gelten als britischer Stil. Der Revers ist bei diesen Sakkos weniger ausgeprägt. Insgesamt wirkt das Design sehr symmetrisch und geschlossen. Dass sich hinter diesem Modell ein paar Polsterungen der Figur gut tarnen lassen, liegt nahe.
  • Duo: Als klassisch, amerikanisch und adrett gilt das Sakko mit zwei Knöpfen, von denen nur der Obere genutzt wird. Der lang gezogene Kragen streckt und eröffnet großzügig den Blick auf das Hemd und die Krawatte. Nach wie vor ist dieses Design bei den meisten Managern die erste Wahl.
  • Single: Ein Sakko, dass sich mit einem Knopf auf der Leiste begnügt, war einst für festliche Anlässe reserviert. Wenngleich der formelle Eindruck erhalten bleibt, wird dieses Stilelement inzwischen bei Freizeitsakkos und Business-Anzügen verwendet. Dabei sind der puristische Ansatz, das Spiel mit den Kontrasten und die Betonung einer vorzeigbaren Figur wesentlich. Wer sich für dieses Sakko-Modell entscheidet möchte, sollte also den persönlichen Body-Index zuvor kritisch begutachten.
  • Zweireiher: Die Verdopplung der geknöpften Tatsachen hob einst den Gehrock und damit den gehobenen Status einer Person von der Masse ab. Noch immer schwingt beim Zweireiher-Sakko etwas Konservatives und Biederes mit. Eben dies ist eine Chance für ambitionierte Designer, die mit sportlichen Schnitten oder modernen Texturen stilvolle Widersprüche wagen. Dieses Sakko wird grundsätzlich geschlossen getragen und zeigt seine Talente beim Kaschieren von Trainingsdefiziten.

Sakko bei Geschäftsterminen ablegen? Ja oder nein!

Das Sakko ist nicht nur ein funktionales Kleidungsstück, um die Kälte auf dem Weg zum Termin abzuwehren. Soweit sich fleißige Männer nicht allein ins Büro zurückziehen, bleibt die Oberbekleidung am Körper. Dies gilt auch bei ausgedehnten Konferenzen Geschäftsterminen, solange die Führungsspitze oder der Kunde das Jackett nicht ablegt.

Wer sich an heißen Tagen nach der goldenen Mitte sehnt, legt sich fürs Büro eine Dreier-Kombination zu. So bleibt die Konsequenz beim Stoff dank der Weste erhalten, wenn die Anzugjacke bzw. das Sakko auf dem Garderobenständer landet.


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Bildnachweis: Thinkstock / iStock / Andrejs Pidjass


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