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Weinanbaugebiet Hessische Bergstraße – Weine mit exquisiter Säure

Weinanbau Hessische Bergstraße

Erst das neue Weingesetz in Baden 1971 machte die Hessische Bergstraße offiziell zum eigenständigen Weinanbaugebiet. Zuvor gehörte die kleine Fläche vor den Toren Frankfurts zur Badischen Bergstraße. Schon die Römer entdeckten vor 2000 Jahren die günstige Lage der „strata montana“ und pflanzten die ersten Weinreben an.

Und auch die Alemannen, die 300 Jahre später das Gebiet eroberten hielten sich an den Weinbau. Geschichtlich verbindlich erstmalig erwähnt wurde der Weinanbau im 8. Jahrhundert im berühmten „Lorscher Codex“. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Region zum Spielball vieler Kriegsherren, doch der Weinanbau blieb ein fester Bestandteil.

Hessische Bergstraße: Der Wein

Die Hessische Bergstraße ist ob ihrer geringen Größe eines der unbekannteren Weinanbaugebiete in Deutschland. Im Schatten der anderen steht sie auf keinen Fall. Zu erlesen sind die trockenen Weine der Region. Nicht nur das milde Klima, sondern auch die steinigen, leicht erwärmbaren Böden sorgen dafür, dass sich die Weine hier von denen der umliegenden Weinregionen deutlich unterscheiden.

Die Urgesteinsböden sind auch dafür verantwortlich, dass die Weine eine exquisite Säure entwickeln. Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) empfiehlt neben der Odenwälder Winzergenossenschaft zwei weitere Weingüter an der Hessischen Bergstraße, die beide zu den Top 100 der Weingüter in Deutschland zählen: Die Bergsträßer Winzer eG, gegründet 1904, und das Weingut Simon-Bürkle in Zwingenberg.

Die Hessischen Staatsweingüter erwirtschaften über sieben Prozent des Gesamtertrags und sind das einzige Weingut im Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter. Die Staatsweingüter, von denen nur ein kleiner Teil an der Hessischen Bergstraße liegt, sind das größte Weingut in Deutschland und gehören dem Land Hessen.

Rebsorten

Wer Riesling liebt, ist an der hessischen Bergstraße genau richtig. Mit über 50 Prozent der Anbaufläche dominierte diese weiße Traube lange. Dahinter folgten mit weitem Abstand Rivaner (Müller-Thurgau) und Grauburgunder, die inzwischen aber in deutlichem Aufwind sind.

Spitzenrieslinge finden sich aber auf jeder Weinkarte. In manchen Jahren erreichen einzelne Rieslinge sogar das Prädikat Trockenbeerenauslese. Nur knapp jeder zehnte Liter Wein ist rot und besteht dann vor allem aus Spätburgunder oder St. Laurent.

Aber auch der Anteil der Rotweine steigt kontinuierlich an, da sich immer mehr Winzer auch in diesem Anbaugebiet auf eigene Ideen besinnen, die letztlich Qualität erzeugen.

Besonderheiten des Weinanbaugebiets

Mit etwas weniger als 440 Hektar Ertragsfläche ist die Hessische Bergstraße das zweitkleinste Anbaugebiet Deutschlands. Nicht offiziell zum Weinanbaugebiet Hessische Bergstraße gehört die gut 60 Hektar große und geografisch abgetrennte Odenwälder Weininsel.

Gut geschützt wird das Gebiet durch den Odenwald im Osten, der Deckung vor den kalten Winterwinden bietet und der Hessischen Bergstraße regelmäßig einen frühen Frühlingsausbruch beschert. Die Mandelblüte zu dieser Zeit zieht viele Touristen an.

Diese klimatische Besonderheit hat dem kleinen Anbaugebiet den Namen „Riviera Deutschlands“ eingebracht. Dennoch ist der Weinanbau hier besonders mühsam. Die stark zerklüfteten, teilweise malerisch terrassierten Weinberge machen Pflege sowie Lese schwer und teuer.

Diese Mühen verteilen sich auf viele Schultern. Rund 600 Winzer haben sich in der Bergsträßer Winzer eG in Heppenheim sowie in der Odenwälder Winzergenossenschaft in Groß-Umstadt zusammengeschlossen.

  • Größe: ca. 440 Hektar
  • Jahresproduktion: ca. 37.000 Hektoliter

Ausflugsziele und Sehenswürdigkeiten

Nicht nur im Frühling bietet die Hessische Bergstraße für Naturliebhaber ein breites Spektrum an Freizeitmöglichkeiten. Beste Gelegenheit Wein und Natur zu erkunden bietet stets am 1. Mai die Bergsträßer Weinlagenwanderung, die traditionell von den Jungwinzern organisiert wird.

Auf einer Strecke von 21 Kilometern über den als Wanderweg ausgewiesenen Weinlagenweg gibt es an acht Stationen die Gelegenheit die Weine des Anbaugebiets zu verkosten. Die anspruchsvolle Wanderung bietet sich perfekt für eine Gruppe motivierter Gentlemen an, die Sport und Genuss verbinden wollen.

Aber auch die Städtchen der Region mit ihren alten Ortskernen, wie Bensheim oder Zwingenberg oder die Altstadt von Heppenheim mit den umliegenden alten Adelshöfen sind einen Besuch wert.


Bildnachweis: Thinkstock / iStock / Simon Dannhauer

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